Der politische Kronewirt Johann Nefflen
Johann Nefflen – Schultheiß, Demokrat von 1848, Volksschriftsteller, Herausgeber des Haller Tagblatts und Kronenwirt zu Hessental.
Der "berühmteste" Kronewirt war Johann Nefflen, einer der wichtigsten schwäbischen Autoren des 19. Jahrhunderts. Sein beachtlicher Wirkungskreis als Abgeordneter, Schriftsteller und Redakteur ermöglichte ihm mit Vehemenz und deutlicher Sprache auf soziales Unrecht und auf solche, die es zu verantworten hatten, aufmerksam zu machen.
Johann Nefflen wurde am 05. November 1789 als Sohn des Stiftsküfers und Waisenrichters Johann Nefflen und dessen Ehefrau Christina Catharina geb. Elsässser in Oberstenfeld, ehemals Oberamt Marbach, geboren. Nach Schulbesuch in Vaihingen (Filder), Esslingen und Stuttgart trat er in die Verwaltungslaufbahn ein und wurde 1815 Amtsgehilfe in Murr und Pleidelsheim, danach Amtsverweser in Pleidelsheim von 1816 bis 1820. Seit 1821 amtierte Nefflen als Schultheiß in Pleidelsheim.
Nefflen heiratete 1815 die Tochter des Ochsenwirts Häussermann, Sophie Caroline, in Pleidelsheim und betrieb mit ihr eine eigene Landwirtschaft. König Wilhelm I. von Württemberg verlieh ihm, dem verdienstvollen Reformer und Förderer der Landwirtschaft, 1823 den ersten Staatspreis für Hebung des bäuerlichen Wohlstands.
Von 1831 bis 1838 wurde Nefflen als Abgeordneter für das Oberamt Marbach dreimal in den Landtag gewählt. Er gehörte in dieser Eigenschaft der „Kommission für innere Verwaltung“ und der „Kommission für Zehnten und Feudalsachen“ an. Mit Ludwig Uhland, Paul Pfitzer, Friedrich Römer u.a. zählte Nefflen zum demokratischen Flügel des Landtags.
Nefflen begründete 1834 die „Feld- und Gartenzeitung“ und redigierte sie bis 1836. Für den „Beobachter“ – vormals „Hochwächter“ – das Organ der Liberalen, zeichnete Nefflen ab 1837 verantwortlich. Im selben Jahr legte er jedoch sein Schultheissenamt in Pleidelsheim nieder und veräußerte seinen dortigen Besitz. Dafür erwarb er in Hessental – damals Oberamt Hall – die Gastwirtschaft zu „Krone“ und das damit verbundene Hofgut.
Fast unausbleiblich bei seinem demokratischen Engagement blieb der Konflikt mit der Obrigkeit: Von 1837 bis 1839 hatte Nefflen 20 Monate Festungshaft auf dem Hohenasperg abzubüßen.
Schriftstellerische Tätigkeit mit volkspädagogisch-politischem Charakter ließ Nefflen zum Verfasser des „Vetters aus Schwaben“, 1837, und des „Orgelmachers von Freudenthal“, 1845, werden, auch gab er einen Band „Gedichte fürs Volk“, 1841 in Druck. Als echte Volksliteratur erlebten seine Werke mehrere Auflagen. Nach seiner Haftentlassung nach Hessental zurückgekehrt, gab Nefflen 1842 und 1843 den „Schwäbischen Hausfreund“ – das spätere Haller Tagblatt – heraus. Durch den frühen Tod seiner treuen Lebensgefährtin wurde Nefflen 1845 zum Verkauf der „Krone“ in Hessental gezwungen. Er zog nach Heilbronn/Neckar, wo er sich als Handelsagent und Rechtsberater durchzubringen suchte. Dort war er auch alsbald Mitarbeiter beim „Neckardampfschiff“, dem publizistischem Organ der Unterländer Liberalen.
Die März-Revolution 1848 zeigte Nefflen allen voran auf dem linken Flügel der „Republikaner“ in Heilbronn. Seine große Rede auf der Volksversammlung des Demokratischen Vereins Heilbronn – dessen Gründer Nefflen war – schloss er am 1. September 1848 auf dem dortigen Exerzierplatz vor einer vieltausendköpfigen Zuhörerschaft mit dem abgewandelten Bibelwort: „Gebt Gott, was Gottes ist, dem Volke, was des Volkes ist, und was noch übrig beleibt den gnädigen Herren.“
Anfang 1849 begab sich Nefflen überraschend nach Amerika, wo drei seiner Söhne lebten. Seine beabsichtigte Rückkehr – er hatte in Württemberg als ehemaliger Achtundvierziger keine Strafverfolgung zu erwarten – vereitelte der Tod. Am 6 Januar 1858 starb Johann Nefflen achtundsechzigjährig in der Stadt Cumberland im Staate Maryland/USA.
Martin Wissner
Ihm zu Ehren haben wir unser "Johann-Nefflen Zimmer" mit kleiner Ausstellung geschaffen.


